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So sind wir
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Dieser Rap entstand 2014 im Rahmen eines Workshops mit dem Rapper SPAX und Schülern der Sekundarstufe I.
Rap gegen Gewalt
Berufswahl- und ausbildungsfreundliche Schule 2012-2014
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Mit dem Rollstuhl unter den Korb – gar nicht so leicht

Vanessa Erskine (hi.li.) mit den Schülern des Kurses – Foto: JPH
Vanessa Erskine (hi.li.) mit den Schülern des Kurses – Foto: JPH

Zu einem ungewöhnlichen Sportunterricht hatte der Fachbereichsleiter Sport/Ganztag der Kooperativen Gesamtschule Sehnde, Rüdiger Streilein, die Schüler von zwei Sportkursen am vergangenen Freitag in der Sporthalle an der Feldstraße empfangen.

Das Sportgerät – oder besser, die Sportgeräte – an diesem Tag hießen Rollstuhl und Basketball. Unter Leitung von zwei Spielern des Bundesliga-Rollstuhlbasketballteams von Hannover United nahmen die Schüler damit am Projekt „Sitzenbleiben erwünscht – Rollstuhlbasketball macht Schule“ teil.

 

Das Projekt wird einigen hannoverschen Schulen von Hannover United, einem Rollstuhlbasketball – Bundesligaverein der 1. Bundeliga, kostenfrei angeboten. Bei diesem Angebot kommen zwei „Referenten“, beide Bundesligaspieler, mit zwölf Sportrollstühlen in die Schule und spielen mit zwei Klassen Rollstuhlbasketball. Neben der sportlichen Betätigung ermöglicht es den Schülern, die persönliche Perspektive bei diesem Spiel – und darüber hinaus – einmal zu wechseln.

 

Die KGS, so Streilein, hatte den Kontakt zu Hannover United durch eine Kollegin schon vor einiger Zeit geknüpft und im Rahmen einer Projektwoche das Angebot des Vereins genutzt. Dieses Jahr hatten sich die Basketballer mit den Sportkursen der 9. und 10. K- und G-Klassen verabredet und boten zwei Durchgänge in der Zeit zwischen 8 und 11 Uhr für insgesamt rund 50 Schüler und Schülerinnen an. Als Teamführer waren zwei hochrangige Bundesligaspieler gekommen, Eike Gößling und Vanessa Erskine aus den USA, zugleich Kapitän der US-Nationalmannschaft – immerhin aktueller Olympiasieger. Der Verein besucht in jeder Saison etwa sechs bis acht Schulen mit seinem Angebot.

 

„Wir wollen damit den Verein und den Sport bekannter machen“, so Gößling, „und gleichzeitig auch die Inklusion fördern. Es ist schon etwas anderes, wenn man zwei Dinge tun muss – den Rollstuhl fahren und den Ball spielen.“ Das sahen auch die Schüler der Kurse so und waren ganz gespannt auf die Ausbildung durch die beiden hochklassigen Spieler. „Die Schüler sind sehr interessiert und aufgeschlossen. Es überwiegt grundsätzlich die Neugier am Sportgerät Rollstuhl mit Ball und sie haben keine Berührungsängste“, so Gößling, der eigentlich „Fußgänger“ ist. So nennen die Rollstuhlfahrer die nicht gelähmten Menschen, die auch am Rollstuhlbasketball teilnehmen dürfen. Erskine erklärt den Schülern die Regeln dazu: „Jedes Team darf nach einem Punktesystem insgesamt 14,5 Punkte auf dem Spielfeld haben. Die nicht Behinderten, wie Eike, haben dabei die höchste Punktzahl, die Spieler mit der größten Behinderung die geringste. Der Trainer stellt dabei durch die Auswechselungen der fünf agierenden Spieler seines Teams sicher, dass diese Punktzahl nicht überschritten wird.“ Erskine ist 2015 aus den USA nach Hannover gekommen, um in der stärksten Rollstuhlbasketball-Liga der Welt zu spielen, erzählt sie den beiden Gruppen – und spricht auch über ihre Einschränkung, was die Schüler sichtlich verblüfft.

 

Nach der Theorie kommt dann die Praxis. Jeweils fünf Schüler spielen in den mitgebrachten Rollstühlen sitzend gegeneinander unter der Leitung von Erskine und Gößling. Fahren, tippen und werfen, verteidigen des Balles und gleichzeitig den Blick für den Mitspieler – eine Aufgabe, die die meisten sich weder so vorgestellt haben noch mit der sie schnell zurechtkommen. Dazu tritt das Problem, aus einer sitzenden, tieferen Position in den Korb zu werfen. Als dann zum Ende der Sportstunde Eike Gößling allein gegen die zehn Spieler antritt, gibt man ihm seitens der Schüler wenig Chancen – doch das Gegenteil tritt ein: Gößling verteidigt den Ball, fährt Angriffe und wirft Körbe, ohne dass die zehn Gegenspieler eine reale Chance haben. Eine neue Erfahrung für die Gruppe, die das so nicht erwartet hatten.

 

Die Kursteilnehmerinnen Antonia (15) und Emilia (16) sind von dieser Ausbildung begeistert. Sie fuhren erstmals im Rollstuhl und haben viel ausprobiert damit. „Das war sehr lustig und vollkommen anders“, sagen sie. „Das schwerste war die Platzaufteilung im Team und die Ballübergabe“, meint Antonia. „Das Fahren ist eine andere Sache. Da fühlt man sich nicht so sicher und hat Angst umzufallen.“ Und Emilia meint, dass es „interessant ist, dass man auch im Rollstuhl Sport machen kann.“ Sie hielt das Fahren im Rollstuhl zunächst für langweilig und sieht es nun vollkommen anders. „Wenn man drin sitzt, hat man ans Gehen beim Spiel keinen Gedanken.“

 

Zum Abschied erhielten die Schüler noch zahlreiche Freikarten von den beiden Bundesligaspielern. Damit können sie nun zu den Spielen von Hannover United in die Halle der IGS Stöcken gehen und das Team dort gemeinsam mit den übrigen Fans ordentlich anfeuern. Immerhin wissen sie nun, wie schwer diese Top-Leistungen zu erreichen sind.

 

Wenn Sie gerne ein Spiel von Hannover United besuchen möchten, so schicken Sie eine E-Mail an info@sehnde-news.de und fragen unter Angaben Ihres Namens und Ihrer Adresse nach einer Freikarte. Die nächsten Partien sind am 4. November um 18 Uhr gegen RSB Thuringia Bulls und am 19.November um 16 Uhr gegen den RSV Lahn-Dill. Die ersten Einsender erhalten eine Karte. (jph/sehnde-news.de)